Blog

Geschichten über Bilder, die irgendwann irgendwo s o n s t entstanden sind.

Per RSS abonnieren Zeige Artikel getaggt mit Kunst
263

Endlich war es soweit und ich habe mir die drei aktuellen Ausstellungen im Museum Barberini angesehen. Es war Montag und es gab keine Besucherschlangen. Die Sonne schien. Die impressionistischen Gemälde wirkten durch die tolle Beleuchtung wie frisch gemalt. Es war ein wunderbares Erlebnis, an einem Wintertag die äußerst farbenfrohen und beeindruckenden französischen Impressionisten zu sehen. Ein Saal hatte es mir besonders angetan. In diesem Raum waren Bilder ausgestellt, die vorwiegend Landschaften am Wasser darstellten. Diese Bilder waren so leicht und schön. Ich war erstaunt, wie sehr alle Gemälde auch auf den satt farbig gestrichenen Wänden wirkten. Die Zusammenstellung der Impressionisten war sehr überzeugend. Aber es gab auch schon die ersten Gemälde der Moderne zu sehen, wie die Bilder von Edvard Munch. Ein Highlight waren auch die beiden Säle in denen DDR-Kunst ausgestellt wurde. Ein interessantes Wechselspiel bestand zwischen den Bildern des jungen Willi Sitte und des Staatskünstlers Willi Sitte. Ein Höhepunkt bildete der Raum mit Landschaftsbildern von Wolfgang Mattheuer. In diesem Raum befand sich auch das einzige Fenster ohne Lichtschutz, so dass man direkt nach draußen auf die „echte“ Landschaft entlang der Havel sehen konnte und vor allem auch einen Blick in den Innenhof des Museums Barberini hatte, in dem sich die beeindruckende Skulptur von Wolfgang Mattheuer befindet, der „Jahrhundertschritt“.

 

b2ap3_thumbnail_17_02_22_potsda_kl.jpg

 

b2ap3_thumbnail_17_02_22_museum_inside_kl.jpg

 

b2ap3_thumbnail_17_02_22_museum_inside2_kl.jpg

 

b2ap3_thumbnail_17_02_23_willi_sitte_kl.jpg

 

b2ap3_thumbnail_17_02_22_blick_museum_kl.jpg

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
617

Wenn man im Süden von Potsdam, vom Drewitzer Nuthedamm kommend, in Richtung Industriegebiet fährt, entdeckt man kurz hinter der Nuthebrücke, auf der rechten Seite, auf einem städtischen Bauhof, ein Denkmal, das viele Jahrzehnte (von 1977 - 2010) im Zentrum der Stadt an exponierter Stelle stand. (Im Zuge von Bauarbeiten wurde das Kunstwerk der Ostmoderne abgebaut.) Es sind die Einzelteile der „Transparenten Weltkugel“ von Günter Junge. Es ist ein trauriger Anblick, der sich einem bietet. Direkt am Zaun gelagert, von keiner Plane geschützt, sieht es aus, als stünde das Denkmal kurz vor der Verschrottung. Teilweise liegen auf den schön geformten Buchstaben auch schon halbe Baumstämme. Dabei gibt die Stadt Potsdam für dieses Denkmal einen Standort an, der so gar nicht mit der Realität übereinstimmt! In der Broschüre „Kunst im öffentlichen Raum – Potsdamer Innenstadt“ wird als neuer Ort der Hof des Oberstufenzentrums am Ulanenweg angegeben. Schade ist es um dieses Kunstwerk. Die „Transparente Weltkugel“ besteht aus zwei Zitaten. Die 11. Feuerbachthese von Karl Marx: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ und der Schlusssatz aus Goethes Faust (II.Teil): „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.“ sind miteinander verbunden und bilden die Kugelform. In der erwähnten (sehr lesenswerten) Broschüre beschreibt der Autor Dirk Alexander Schermer auch den philosophischen Kern. „Die Zitate werden zum Sinnbild des immerzu strebenden schöpferischen Menschen und dass Vergängliches ein Gleichnis für Wissen und Macht ist, welches Neues erschaffen kann, wenn man die richtigen Schlüsse zieht.“

 

b2ap3_thumbnail_16_03_20_denkmal_kugel2.jpg

 

b2ap3_thumbnail_16_03_20_denkmal_kugel4.jpg

 

b2ap3_thumbnail_16_03_20_denkmal_kugel5.jpg

 

b2ap3_thumbnail_16_03_20_denkmal_kugel3.jpg

 

b2ap3_thumbnail_16_03_20_denkmal_kugel.jpg

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
978

Bauhaus-Feste haben eine lange, aber auch lang unterbrochene Tradition. Bereits in den 1920er Jahren erlebte man in Dessau die Bauhaus-Studenten und Bauhaus-Meister, die mit Musik, Tanz, Film, Masken, Kostümen und Fotografie ihre Feste inszenierten. Seit 1997 gibt es neue Bauhaus-Feste in Dessau. Das Thema in diesem Jahr war „Kollektives Blau“. Zufällig hatten wir davon erfahren. (Förderale Strukturen haben oft den Nachteil, dass Vieles was außerhalb der Grenzen des eigenen Bundeslandes in den Bereichen Kunst und Kultur geschieht, selten auch bekannt wird.) Aber dieses Mal hatten wir Glück: Dessau ist nicht weit weg von Potsdam und lockt nicht nur mit dem Bauhaus. Auch mit den unvergleichlich schönen Gartenanlagen in und um Dessau. Und so stand das Ziel für einen Wochenendausflug fest.

b2ap3_thumbnail_bauhaus4.jpg

 

b2ap3_thumbnail_15_09_06_kollektives_blau.jpg

Der Freitagabend, der erste Abend des Bauhaus-Festes, ist der ruhigere Abend. Ganz in Ruhe kann man durch das Bauhaus schlendern, sich in einer Art Preview die Licht-, Musik- und Videoinstallationen ansehen. Neben der Farbe Blau war es die Musik „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski, die die temporären Kunstwerke auf mehreren Ebenen begleitete. Mal wurde es als Jazz-Variation eingespielt oder in der Synthesizer-Bearbeitung von Isao Tomita. Im Theatersaal stellte der Künstler Wolfgang Rätz dazu eine verkleinerte Bildkomposition von Wassily Kandinsky vor, die Kandinsky 1928 in Dessau zu Mussorgskis Musik uraufführte.

b2ap3_thumbnail_bauhaus2.jpg

 

b2ap3_thumbnail_bauhaus1.jpg

Herrlich war es, das Bauhaus so lebendig zu erleben, nicht mehr museal, sondern in Aktion. Es gab eine schräge Bauhaus-Kapelle mit selbst gebauten verrückten Instrumenten. Dazu wurde modern getanzt, in Kostümen, die (vielleicht) an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett erinnerten. Eine Entdeckung für mich war der Einblick in die Geschichte und die Arbeit des slowakischen „Bauhauses“ (1928-1939) durch eine kleine Gastausstellung aus Bratislava. Der Höhepunkt und Abschluss des Abends waren natürlich die Licht-Video-Projektionen, die sich über Teile der Fassade des Bauhauses zogen und uns in den Bann zogen.

b2ap3_thumbnail_experimentelle_musik_bauhausfest.jpg

 

b2ap3_thumbnail_tanztheater_bauhausfest.jpg

 

b2ap3_thumbnail_bauhaus3.jpg

 

b2ap3_thumbnail_lichtprojektion_prellerhaus_bauhausfest.jpg

Alle Fotos (außer das zweite Bild von oben): Andreas Bauer.

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
716

Das Leben in Neubaugebieten, speziell in den sogenannten Plattenbaugebieten aus DDR-Zeiten, ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Und so war die Vorstellung sehr ambivalent, ein Kunstfestival gerade in diesem ehemaligen DDR-Neubaugebiet Drewitz anzusehen. Das Kunstfestival Localize nutzte bisher alljährlich eher leerstehende Gebäude oder brach liegende Flächen im Stadtzentrum von Potsdam. Aber nun ging es an diesem sommerlichen Wochenende nach Drewitz, ehemals ein kleines Dörfchen, auf dessen umliegenden Feldern in den 1980er Jahren die Platten hochgezogen wurden. Das sommerliche Wetter und die Ankündigungen der Künstler lockten mich nun nach Drewitz. Es war nicht nur die reine künstlerische Neugierde, die mich nach Drewitz trieb, sondern auch die Erinnerung an die Vergangenheit. Denn ich kenne das Leben sowohl in meinem ehemaligen (Heimat)-Dorf als auch in diesem Wohngebiet. Einige Jahre habe ich mit meinen Kindern in Drewitz gelebt. Ich selbst habe zwar irgendwann die Tage gezählt bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich aus diesem Wohngebiet wieder verschwinden durfte. Aber das Leben in dem Neubaugebiet hatte auch Vorteile: großzügige Spielplätze, grüner und vielfältiger als man denkt, Kitas, eine tolle Schule mit engagierten Lehrerinnen, kurze Einkaufswege und viele andere Kinder. Aber zurück zur Kunst. Bevor es richtig los ging, gab es erst einmal einen erfrischenden Cidre. Sehr ungewöhnlich in dieser Umgebung, aber schön. Einige der Drewitzer Einwohner nutzten die Gunst der Stunde ebenfalls und genossen die lockere Atmosphäre. Andere blieben allerdings in ihrer Wohngebietsgaststätte. Nach einigen Eröffnungsreden konnten wir Besucher uns dann endlich die vielen verschiedenen Ausstellungen, Installationen und Filme ansehen. Die Wohnungsgesellschaft ProPotsdam hatte einige leere Wohnungen zur Verfügung gestellt, die von den Künstlern auf vielfältige Art und Weise genutzt werden konnten. Für mich war es nicht nur die Kunst, die faszinierte, sondern auch die Wohnräume an sich, mit all den (selbst erlebten) Unzulänglichkeiten.

 

b2ap3_thumbnail_15_07_18_localize_kl.jpg

 

b2ap3_thumbnail_15_07_18_localize2_kl.jpg

 

b2ap3_thumbnail_15_07_18_localize3_kl.jpg

 

b2ap3_thumbnail_15_07_18_localize4_kl.jpg

 

 

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag: