Blog

Geschichten über Bilder, die irgendwann irgendwo s o n s t entstanden sind.

1501

Am Freitag, den 10. April, war die Eröffnung der Ausstellung VERGESSEN – Fotografien von Joachim Liebe. Mit seinen drei Bilderserien über den Abzug der ehemaligen Sowjetarmee, die heute noch zu findenden Spuren der Kasernen und Truppenübungsplätze und die Gräber der hier verstorbenen Angehörigen der Armee, beendet Joachim Liebe sein fotografisches Langzeitprojekt. Die Ausstellung findet im Kunstraum des Waschhauses, in der Potsdamer Schiffbauergasse, statt. Am Samstag, den 18. April, bin ich von 12 bis 18 Uhr als Aufsicht in der Ausstellung im Kunstraum tätig. Der Künstler selbst wird zwar nicht anwesend sein. Aber wer möchte, kann sich die Fotografien ansehen und auch mit mir an dem Samstagnachmittag über die Bilder sprechen.

 

b2ap3_thumbnail_15_04_12_geigerin.jpg

Musikalische Begleitung während der Ausstellungseröffnung mit den Musikerinnen von Muzet Royal.

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
2199

Im Potsdam Museum läuft seit dem 12. Januar die Ausstellung: 1984 Photographie. 60 Schwarz-Weiß-Fotografien von Jürgen Strauss aus dem Jahr 1984, die er in Potsdam und Babelsberg aufgenommen hat. Die Bilder beeindrucken als Zeitzeugnis. Ideologische Bewertung spare ich an der Stelle aus. Das würde ein Buch füllen. 1984 gab es Menschen, die in der DDR glücklich waren, oder zumindest schöne Momente erlebt haben, neben der Stagnation oder Resignation. Die Eröffnungsreden hielten die Direktorin des Museums und die (sogenannte) Zeitzeugin Saskia Hüneke mit bemerkenswerter Reputation. Die Direktorin machte Fehler beim Benennen der historischen Straßen- und anderer Ortsnamen, die Zeitzeugin schlug einen bemerkenswerten erzählerischen Bogen von eigenen positiven Lebensentscheidungen hin zum Ausgesetztsein staatlicher Repressalien.

b2ap3_thumbnail_eingang_potsdam_museum.jpg

Eingang des Potsdam Museums. Linke Seite, Banner mit der Ausstellungsankündigung. (Foto: Andreas Bauer)

 

Was war mein1984? Ich habe zu der Zeit so gut wie gar nicht fotografiert. Es gibt nur ein Dutzend Bilder aus dem Jahr, teilweise von mir jetzt unbekannten Fotografen. Ich war Anfang Januar 1984 in der Berufsschule in Wandlitz bei Berlin. Da ich intensiv Tagebuch geschrieben habe, finden sich einige persönliche Beschreibungen, die über Schilderungen von Verliebtheiten hinausgehen.
Montag, den 2. Januar 84: Dieses Orwell-Jahr! Eigentlich wollte ich sein Buch lesen, aber muß man vielleicht als Zufall ansehen, daß es gerade 1984 ist. (...) Jetzt mache ich meine letzte Hausaufgabe. Für das Fach Sozialistisches Recht eine Karrikatur. Finde ich total affig.
Dienstag, den 3. Januar 84: Wir werden hier in die Zwickmühle genommen, so daß man sich verschließt und nie wieder seine eigene Meinung sagen will. Ich fliege von dieser Schule, wenn ich politisch nicht mehr tragbar bin. Wir hatten heute Sport und plötzlich kam wieder dieser dicke Kerl von der GST (Gesellschaft für Sport und Technik, mit vormilitärischem Charakter) um uns erneut anzuwerben. Man kann es kaum glauben, aber er wünschte uns ein „bombiges neues Jahr“. (...)
Donnerstag, den 5. Januar 84: Wir waren beim Pfarrer. Wir wollten Rat haben wegen der Sache mit dem Heini von der GST. Der Pfarrer war nett, hat aber gerade in dieser Beziehung um den heißen Brei herumgeredet, vielleicht weil wir nicht in der Kirche sind. (...)
Freitag, den 27. Januar 84: Wochenende! Fasching vorbei, anstrengende Tage vorbei, morgen fahre ich nach Potsdam zurück. Mittwoch war ich im Metropoltheater. Donnerstag gab es eine Exkursion nach Berlin, danach Volkshochschule in Potsdam, na und heute der Fasching im Internat. (...)

b2ap3_thumbnail_1984_fasching_wandlitz_k.jpg

Fasching im Internat der DEWAG-Betriebsberufsschule „John Heartfield“ in Wandlitz. Links die Sportlehrerin und die Internatsbetreuerin. Rechts die Autorin im Alter von 19 Jahren. Das Treiben wird mißtrauisch beäugt von drei alten Männern der damaligen Partei- und Staatsführung.  (Foto: Unbekannter Fotograf)

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
2101

Zerbrochenes Glas im Fenster eines verlassenen Krankenhauses und abblätternde Farbschichten in den Zimmern und Fluren dieser ehemaligen Lungenheilstätte in Beelitz bei Potsdam, locken Menschen an. Außerdem wird Kunst gezeigt, in diesen morbiden Gemäuern. Junge Kunst von Kunststudenten aus aller Welt wird zwei Tage präsentiert. Viele Besucher nutzen diese Ausstellung aber auch, um legal einen Blick in die sonst verschlossenen und verfallenden Lungheilstätten zu werfen. Mich fasziniert die Poesie einiger Kunstwerke, die eins wurden mit dem sie umgebenden Raum. Die Natur erorbert sich den genommenen Platz zurück. Aber auf eine märchenhaft poetische Art und Weise: Efeu „ergießt“ sich durch geöffnete Fenster über den Boden. Die Pflanzen geben sich nicht mehr mit den äußeren Mauern zufrieden. Schmetterlinge ziehen sich zurück ins dunkle, kühle Gemäuer...

 

b2ap3_thumbnail_13_09_08_kunst5.jpg

 

 

b2ap3_thumbnail_13_09_08_kunst4.jpg

Installation von Vanina Tsvetkova (Bulgarien).

 

b2ap3_thumbnail_13_09_08_kunst2.jpg

 

b2ap3_thumbnail_13_09_08_kunst1.jpg

 

b2ap3_thumbnail_13_09_08_kunst3.jpg

Installation von Oya Özkan (Türkei).

 

b2ap3_thumbnail_graffiti_beelitz.jpg

Treppenhaus in einem der Gebäude der Beelitzer Heilstätten.

Unbekannter Künstler. Foto: Andreas Bauer

 

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
1836

Die erschöpfte Museumsbesucherin sitzt am Ende der Besichtigung auf der Bank vor der Wandzeitung des MMM Firmian. Und schon beim ersten Blick auf die Tafel entdeckte sie den merkwürdigen Zufall: Ausgerechnet den Besuch Reinhold Messners im November 2003 in Potsdam, im Autohaus Ehrl (!), wählte der Wandzeitungsredakteur aus, um ein Beispiel für Messners zahlreiche Auftritte und Vorträge zu zeigen. Ach übrigens war der Fotograf dieses Fotos und geschätzte Begleiter der Museumsbesucherin damals einer der begeisterten Zuschauer im Autohaus. Ob er sich im Anschluss ein Autogramm holte, entzieht sich der Kenntnis.

 

b2ap3_thumbnail_13_08_20_mmm_ich.jpg

 

b2ap3_thumbnail_13_08_20_mmm_ich_detail.jpg

MMM Firmian (Schloss Sigmundskron bei Bozen). Foto: Andreas Bauer

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag: