Blog

Geschichten über Bilder, die irgendwann irgendwo s o n s t entstanden sind.

61

Viele Fotografen sagen, dass Venedig „totfotografiert“ ist. Natürlich hat man selbst viele Bilder von dieser außergewöhnlichen Stadt im Kopf, bevor man sich überlegt, was man dort ansehen und vielleicht fotografieren möchte. Trotz aller bildlichen Zitate, die man reproduzieren könnte, verzaubert Venedig noch immer. Mich jedenfalls fasziniert die Stadt nach wie vor sehr. Interessanterweise fotografieren die Touristen gar nicht mehr so viel, jedenfalls nicht die Stadt. Die malerischen Kanäle, Brücken und Gassen dienen nun als Kulisse für die Selbstrepräsentation. Selfiesticks mit Smartphones bestückt und ein Dauergrinsen im Gesicht, und das eigentliche Venedig erblicken manche nur auf dem Display. Venedig als Hintergrund! Deshalb rücke ich hier einmal besondere Details in den Vordergrund. Das alles sind kleine Hausmarken an den Fassaden der Häuser und man kann sie überall in vielfältigster Form in Venedig entdecken.

b2ap3_thumbnail_19_01_06_venedig_hausmarken_kl.jpg

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
79

Wenn die Touristen und die in Venedig arbeitenden Menschen auf dem Bahnhof Santa Lucia ankommen, haben sie keine Geduld bzw. keine Zeit, länger auf dem Bahnhof zu verweilen. Als wir an einem Vormittag Ende Dezember 2018 dort ankamen, herrschte über der Lagunenstadt dichter Nebel. Und da man kaum das andere Ufer des Canal Grande erkennen konnte, schauten wir uns erst noch einen Moment auf dem Bahnhof um, in der Hoffnung, dass die Sonne den Dunst schon bald auflösen würde. Im Vergleich zu den schmalen Gassen und Kanälen der Altstadt, kam uns der Bahnhof riesig vor. Im Abstand von nur einigen Minuten kommen dort die Züge an und der größte Teil  der Menschen eilt sofort auf die Anlegestellen der Boote zu, der Wasserbusse (Vaporetto) und Wassertaxis, oder verteilt sich in die unzähligen Gassen. Wir hielten noch einen Moment auf dem Bahnhof inne, bevor auch wir uns auf den Weg machten.

b2ap3_thumbnail_19_01_02_venedig_bahnhof_kl.jpg

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
90

Eigentlich braucht man es nicht mehr zu erwähnen. Der Frühling war zu heiß und der Sommer war zu heiß und zu trocken. Bevor die Hitze so richtig einsetzte, beschlossen wir im März unseren Urlaub im Sommer in Südfrankreich und Nordspanien zu verbringen. Carcassonne und Bilbao sollten zwei Orte sein, die wir entdecken wollten. Und auch eine Wanderung durch die Picos de Europa, ein malerisches, spanisches Hochgebirge, wollten wir machen. Die Pensionen und Zeltplätze waren geplant und gebucht und die Reiseroute festgelegt, so dass es auch viel zu fotografieren geben würde. Aber dann kam die Hitze und A. hatte einen schweren, unverschuldeten Fahrradunfall und wir beschlossen, noch einmal nach Skandinavien zu fahren. Temperaturen unter 20 Grad, bedeckter Himmel und auch mal Regen, grüne Wiesen, schneebedeckte Berge und Gletscher, das lockte uns nach Norwegen. Neben der Natur hatte ich nur den großen Wunsch, das Roald-Amundsen-Museum in Oslo zu besuchen.

In Norwegen dann, war das Wetter so wechselhaft, und auch so regnerisch, dass wir das eine oder andere Mal das Zelt gegen eine kleine Hütte tauschen mussten. Wir fanden das nicht schlimm. In Oslo besuchten wir drei der vier großen Entdecker- und Schifffahrtsmuseen. Dort konnte man die Originalschiffe von Fridtjof Nansen, Roald Amundsen und Thor Heyerdahl besichtigen. Die Gjøa und die Fram durfte man genauestens erkunden. Das Kon-Tiki-Floß konnte man natürlich nicht betreten. Der Tag in diesen Museen war ein großartiger Tag. Als Jugendliche habe ich viele Bücher über die Entdeckungen der Welt gelesen. Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich eines Tages einmal an Bord der Fram stehen würde oder in die Lagerräume des Schiffes hinuntersteigen könnte und die Kajüten der Polarforscher sehen würde.

b2ap3_thumbnail_18_09_17_scandinavia_32_kl.jpg

Landschaft unterhalb der Gletscher des Briksdalen. (Foto: Christina Hanck)

 

b2ap3_thumbnail_18_09_16_scandinavia_32_kl.jpg

Der Gletscher Briksdalsbreen ist ein Seitenarm des Jostedalsbreen und befindet sich im nördlichen Teil des Briksdalen. (Foto: Christina Hanck)

 

b2ap3_thumbnail_rentiere_norwegen.jpg

Rentiere im Jotunheimen Nationalpark. (Foto: Andreas Bauer)

 

b2ap3_thumbnail_12-05_fram_museum_polarexpedition.jpg

Diorama im Frammuseum Oslo: Überwinterung der Mannschaft rund um den Polarentdecker Roald Amundsen in der Antarktis. Die Vorräte werden von der Fram gebracht. Der Wettlauf zum Südpol beginnt. (Foto: Andreas Bauer)

 

b2ap3_thumbnail_gjoa.jpg

Blick auf die Gjøa im Frammuseum. Die Gjøa war das Schiff, mit dem Roald Amundsen 1906 die Nordwestpassage bewältigte. (Foto: Christina Hanck)

 

b2ap3_thumbnail_laderaum.jpg

Der Laderaum der Fram mit den Vorräten für die Bezwingung des Südpols. (Foto: Christina Hanck)

 

b2ap3_thumbnail_amundsen_zeiss_kl.jpg

Amundsen hielt viele Vorträge und hatte Kontakte zu Sponsoren, um seine Reisen finanzieren zu können. (Foto: Christina Hanck)

 

b2ap3_thumbnail_kon_tiki_oslo.jpg

Das berühmte Floß Kon-Tiki, mit dem Thor Heyerdahl und seine Mannschaft 1947 den Pazifik überquerten. (Foto: Christina Hanck)

 

Mit diesen Bildern im Kopf fuhren wir weiter an den Fjorden entlang in Richtung des Atlantiks. Dort kreuzten allerdings nur riesengroße Kreuzfahrtschiffe unseren Blick. Diese Reisenden beneideten wir nicht, während wir die Einsamkeit auf der kleinen Insel Runde genossen.

b2ap3_thumbnail_kreuzfahrtschiffe_geiranger.jpg

Blick in der Geirangerfjord. Eines der beliebtesten Ziele für die Kreuzfahrtschiffe. Tausende von Passagieren strömen gleichzeitig in den kleinen Ort Geiranger, der normalerweise knapp 250 Einwohner hat. (Foto: Andreas Bauer)

 

b2ap3_thumbnail_hafen_runde_regentag.jpg

Auf der kleinen Insel Runde, nördlich von Bergen, an der Atlantikküste. (Foto: Andreas Bauer)

 

 

 

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag:
97

Ich werde seit einiger Zeit angesprochen, ob ich nicht einmal wieder etwas Neues in meinem Blog schreiben kann. Ich nehme einen Jahresrückblick als Anlass. Das Jahr ist fast vergangen. Es ist so viel passiert auf dieser schrecklich-schönen Welt. Optimistisch zu bleiben, fällt nicht leicht. Doch hier ist der Platz für einige persönliche Erinnerungen an Orte irgendwo.

Ich bin nicht gerade der Pippi-Langstrumpf-Typ. Auch andere Figuren, die Astrid Lindgren geschaffen hat, kenne ich nicht besonders gut. Und trotzdem hat sich vor mehr als 15 Jahren eine schwedische, sehr geheimnisvolle Welt für mich geöffnet. Mein bester „Bekannter“ in Schweden war Kurt Wallander, ein (fiktiver) Kriminalbeamter aus Ystad, Schweden. Es gibt auch noch ein paar andere Menschen in Schweden, die ich ganz gut zu kennen glaube, weil mir der schwedische Schriftsteller Henning Mankell eine Menge von ihnen erzählt hat. Seine Schilderungen machten mich neugierig und so reiste ich bereits kurz nach der Jahrtausendwende das erste Mal in meinem Leben nach Schweden. Auf einem Weg, den mir meine, in Rostock aufgewachsene, Mutter, schon so viele Male beschrieben hatte. In Rostock-Überseehafen fährt man mit dem Auto auf die Fähre und nach sechs Stunden friedlicher Ostseeüberfahrt kommt man in Trelleborg, 50 km entfernt von Ystad, an. So einfach ist es. Und auch noch in Ruhe frühstücken kann man, mit Blick auf das Meer.

Bei der ersten Fährüberfahrt hatte ich Mankells Krimis im Gepäck, die die bereits auf Deutsch erschienen waren. Beim Lesen des ersten Buches war mir die Detailgenauigkeit der Beschreibungen von Örtlichkeiten und Landschaften aufgefallen und das machte mich einfach neugierig. Ich wollte Ystad, den Hauptschauplatz der Krimis, sehen und den Hafen, das Meer, die einsame schonische Landschaft, die Menschen, kennenlernen. Ein Freund war ebenso begeistert von der Idee auf den Spuren von Kurt Wallander zu reisen, so dass wir dann insgesamt dreimal gemeinsam zu verschiedenen Jahreszeiten Ystad und die Umgebung fotografisch erkundeten und mit den Bildern ein kleines Foto-Reisebuch machten. Das war ein etwas düsteres und einsames Schweden, das sich in meiner Erinnerung breit machte. Verstärkt wurde es in den letzten Jahren durch all die schwedischen Krimis, die ich las oder durch die zahlreichen Filme. Nordic noir ist inzwischen ein eingeführter Begriff für all dies.

Aber auf diese Art und Weise lernte ich das Land bis in den hohen Norden kennen. Zumindest literarisch und filmisch. Gesellschaftliche Probleme im Krimi ansprechen, das gelingt schwedischen Autoren wohl besonders intensiv. Sie sind starke Botschafter ihres Landes.

Aber neben meiner Leidenschaft für gute Krimis gibt es auch noch eine spezielle Verbundenheit zur Natur. Wer kennt sie nicht, diese Sehnsucht im Herbst, wenn die Tage langsam trübe werden, mit den Zugvögeln in Richtung Süden zu verschwinden. In meiner Brandenburger Heimat (und auch in Mecklenburg) sammeln sich im Oktober Tausende von Kranichen. Nach dieser Rast, u.a. auf abgeernteten Maisäckern fliegen sie weiter nach Frankreich und Spanien. Dort überwintern sie, um sich dann im zeitigen Frühjahr wieder auf den Weg in den Norden zu machen. In den vielen Feuchtgebieten in Schweden, Norwegen und Finnland finden die Kraniche ideale Bedingungen um ganz zurückgezogen ein Nest zu bauen, zu brüten und um auf naturbelassenen Wiesen die Jungen groß zu ziehen. Zwischen Wiederkehr und Brut gibt es jedoch einen Höhepunkt im Leben vieler Kranichpaare. Sie kommen Ende März an den kleinen Hornborgasjön bei Lidköping und tanzen dort. Sie balzen, sie fressen, sie festigen die Beziehungen zu ihrem lebenslangen Partner und für die Jungvögel ist es der Ort der Brautschau. Die Schweden lieben diesen Platz Trandansen, an dem man das Spektakel Tausender Zugvögel beobachten kann. Nicht nur Kraniche trompeten dort, auch Singschwäne, Gänse und Kiebitze rasten dort. Dieses Jahr zu Ostern erfüllten wir uns den Traum, einmal beim Tanz der Kraniche dabei zu sein. Eine gemütliche Ferienwohnung war in der Nähe vom Berg Kinnekulle und dem Vänernsee schnell gefunden, die Fährfahrt gebucht und die Fototechnik gepackt.

Und dann überraschte uns Schweden Ende März mit einem faszinierenden Winter. Der Himmel strahlte blau, viele Gegenden waren noch verschneit und die kleineren Seen komplett zugefroren. Aber die Vögel ließen sich davon nicht abhalten. Am Ufer des Hornborgasjön hielten sich Tausende von Vögeln auf und wir machten wunderbare Spaziergänge am Seeufer, genossen die klare und weite Sicht und schätzten die Einsamkeit der Nationalparks in der Nähe des Vänernsees. Ein bißchen bekam ich auch wieder die Lust auf einen guten schwedischen Krimi, beim Anblick der einsamen Hütten und Ferienhäuser an den Seen. Und so war es eigentlich kein Wunder, dass nach vier Tagen Vogelbeobachtung und Natur unser letzter Abstecher vor der Heimfahrt nach Ystad führte, in die Gassen der Altstadt und auf ein Stück Kuchen und einen Kaffee in die berühmte Fridolfs Konditori, die durch Henning Mankells Kurt Wallender unsterblich bleiben wird.

b2ap3_thumbnail_18_04_11_schweden_07_kl.jpg

Einsame Winterlandschaft in Südschweden. Foto: Christina Hanck

 

b2ap3_thumbnail_Hornborga_See.jpg

Vogelrastplatz Hornborgasjön in Schweden. Foto: Christina Hanck

 

b2ap3_thumbnail_kraniche_hornborgasee.jpg

Rast der Kraniche am Hornborgasjön. Foto: Andreas Bauer

 

b2ap3_thumbnail_kraniche_balztanz_hornborgasee.jpg

Tanz der Kraniche am Hornborgasjön. Foto: Andreas Bauer

 

b2ap3_thumbnail_18_12_09_sweden_ystad_kl.jpg

Altstadt von Ystad in Südschweden. Foto: Christina Hanck

 

b2ap3_thumbnail_18_12_09_fridolfs_ystad_kl.jpg

Berühmtestes Café von Ystad. Foto: Christina Hanck

 

Zuletzt bearbeitet am Weiterlesen
Bewerte diesen Beitrag: