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Geschichten über Bilder, die irgendwann irgendwo s o n s t entstanden sind.

Kunst

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Am 11. Mai 2019 fand der Potsdamer Tag der Wissenschaften auf dem Campus der Fachhochschule Potsdam statt. Viele wissenschaftliche Einrichtungen präsentierten aktuelle Ergebnisse ihrer Forschung oder luden zu Mitmach-Experimenten ein. Das Wetter war zwar etwas regnerisch, aber es gab so viel Interessantes zu sehen und zu erleben, dass das nicht weiter störte. Das Programmheft war sehr umfangreich, aber wir hatten uns vorher schon einen Erlebnispfad zusammengestellt, um uns nicht in der Vielfalt zu verlieren.

Merkwürdigerweise gab es einen der interessantesten Vorträge zeitgleich mit der offiziellen Eröffnung der Wissenschaftstage. Frau Prof. Dr. Susanne König und die Masterstudentin Janine Sokolowski hielten gemeinsam einen Vortrag zum Thema: Fritz Eisels Mosaik „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ am Potsdamer Rechenzentrum. Eine kunsthistorische Einordnung, Bestands- und Zustandsaufnahme sowie Vorschläge zur Konservierung und Restaurierung. Angesiedelt ist das Thema im Studiengang Konservierung und Restaurierung im Fachbereich Stadt, Bau, Kultur der FH Potsdam. Der Ort war perfekt, ein heller freundlicher Hörsaal. Das Thema ist spannend. Und trotz der vielen Besucher auf dem Campus waren nur 10 Zuhörer erschienen.

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Foto: Andreas Bauer. Detail des Mosaiks an der Fassade des Rechenzentrums.

Frau Prof. Dr. König ordnete im ersten Teil des Vortrages das 18teilige Mosaikkunstwerk von Fritz Eisel kunsthistorisch ein. Sie unterstrich seine herausragende künstlerische und inhaltliche Bedeutung für die Architektur in der damals sozialistischen Bezirkshauptstadt der DDR. Die Beauftragung des baugebundenen Kunstwerks erfolgte im Juni 1969. Noch herrschte Kalter Krieg zwischen den Systemen. Auch die Eroberung des erdnahen Orbits prägte die 1960er Jahre entscheidend. So kam es wohl auch zum Titel des Mosaiks, „Der Mensch bezwingt den Kosmos“. Wobei thematisch eher ein allgemeiner technischer Fortschritt, die Wissenschaft und die Kybernetik von Eisel dargestellt wurden. Er selbst hat den Titel so auch nicht authorisiert. 1977 wurde das Mosaik bereits in die Denkmalliste des Bezirks Potsdam aufgenommen. Der Fehler beim Einsetzen der 3 x 3 m großen Mosaikfelder, der durch Verdrehen der zweiten und vierten Tafel auftrat, wurde nie korrigiert. Das Rechenzentrum selbst erlebte nach der Wende einige Veränderungen an der Fassade. Auch die Kantine wurde bereits abgerissen. Das Gebäude ist somit kein eingetragenes Denkmal. Wobei das keine Entschuldigung für die bauliche Vernachlässigung durch den Eigentümer ist.

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Fotos: Andreas Bauer. Zwei der 18 Mosaikfelder.

Das Mosaik gehört so selbstverständlich zu dem Gebäude, dass das, was Janine Sokolowski im Rahmen ihrer Masterarbeit recherchierte und als Ergebnis präsentierte, regelrecht schockierte. Wesentliche Teile des Mosaiks sind bedroht. Ernsthaft bedroht durch jahrzehntelange, stiefmütterliche Behandlung. Nicht nur der Dreck setzte sich fest und raubt den Bildern die Leuchtkraft. Gefährliche Hohllagen zwischen den Mosaiksteinen und den darunter liegenden Schichten gefährden akut das Kunstwerk. Risse sind nachweisbar. Aber durch die zuständigen Behörden sind keinerlei Schutz- oder Sicherungsmaßnahmen geplant. Frau Sokolowski hat die Ergebnisse ihrer Recherche zum schlechten Erhaltungszustand des Mosaiks an die Verantwortlichen weitergegeben.

Ich hoffe sehr, dass es diesem Kunstwerk nicht so gehen wird wie der zersägten und fast zerstörten Weltkugel, die vor dem (abgerissenen) Gebäudekomplex der ehemaligen Fachhochschule stand. Oder der baugebundenen Kunst von Werner Nerlich, die sich an der (abgerissenen) Schwimmhalle befand und nun ein Schattendasein an der neuen Schwimmhalle fristet. Solche Beispiele gibt es noch einige in Potsdam. Schade finde ich es immer wieder, dass sich die Stadt oftmals zu einseitig positioniert. Gerade das Kunstwerk von Fritz Eisel könnte uns doch jeden Tag zeigen, dass Potsdam auch eine bedeutende Stadt der Wissenschaften ist.

 

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Fotos und Bildmontage: Andreas Bauer. Mosaikfelder der Südseite des Rechenzentrums.

 

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Eine schöne Installation von Kunst und Schrift und Philosophie: Die Beschilderung für ein Café in Basel. Das Kaffeehaus liegt in Basels Zentrum und ist ein großartiger Treffpunkt zum Ideentausch. Phantasievoll und anregend. Umgewandelt wurde dazu ein ehemaliges Bankgebäude.

 

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Wenn man im Süden von Potsdam, vom Drewitzer Nuthedamm kommend, in Richtung Industriegebiet fährt, entdeckt man kurz hinter der Nuthebrücke, auf der rechten Seite, auf einem städtischen Bauhof, ein Denkmal, das viele Jahrzehnte (von 1977 - 2010) im Zentrum der Stadt an exponierter Stelle stand. (Im Zuge von Bauarbeiten wurde das Kunstwerk der Ostmoderne abgebaut.) Es sind die Einzelteile der „Transparenten Weltkugel“ von Günter Junge. Es ist ein trauriger Anblick, der sich einem bietet. Direkt am Zaun gelagert, von keiner Plane geschützt, sieht es aus, als stünde das Denkmal kurz vor der Verschrottung. Teilweise liegen auf den schön geformten Buchstaben auch schon halbe Baumstämme. Dabei gibt die Stadt Potsdam für dieses Denkmal einen Standort an, der so gar nicht mit der Realität übereinstimmt! In der Broschüre „Kunst im öffentlichen Raum – Potsdamer Innenstadt“ wird als neuer Ort der Hof des Oberstufenzentrums am Ulanenweg angegeben. Schade ist es um dieses Kunstwerk. Die „Transparente Weltkugel“ besteht aus zwei Zitaten. Die 11. Feuerbachthese von Karl Marx: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ und der Schlusssatz aus Goethes Faust (II.Teil): „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.“ sind miteinander verbunden und bilden die Kugelform. In der erwähnten (sehr lesenswerten) Broschüre beschreibt der Autor Dirk Alexander Schermer auch den philosophischen Kern. „Die Zitate werden zum Sinnbild des immerzu strebenden schöpferischen Menschen und dass Vergängliches ein Gleichnis für Wissen und Macht ist, welches Neues erschaffen kann, wenn man die richtigen Schlüsse zieht.“

 

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Bauhaus-Feste haben eine lange, aber auch lang unterbrochene Tradition. Bereits in den 1920er Jahren erlebte man in Dessau die Bauhaus-Studenten und Bauhaus-Meister, die mit Musik, Tanz, Film, Masken, Kostümen und Fotografie ihre Feste inszenierten. Seit 1997 gibt es neue Bauhaus-Feste in Dessau. Das Thema in diesem Jahr war „Kollektives Blau“. Zufällig hatten wir davon erfahren. (Förderale Strukturen haben oft den Nachteil, dass Vieles was außerhalb der Grenzen des eigenen Bundeslandes in den Bereichen Kunst und Kultur geschieht, selten auch bekannt wird.) Aber dieses Mal hatten wir Glück: Dessau ist nicht weit weg von Potsdam und lockt nicht nur mit dem Bauhaus. Auch mit den unvergleichlich schönen Gartenanlagen in und um Dessau. Und so stand das Ziel für einen Wochenendausflug fest.

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Der Freitagabend, der erste Abend des Bauhaus-Festes, ist der ruhigere Abend. Ganz in Ruhe kann man durch das Bauhaus schlendern, sich in einer Art Preview die Licht-, Musik- und Videoinstallationen ansehen. Neben der Farbe Blau war es die Musik „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski, die die temporären Kunstwerke auf mehreren Ebenen begleitete. Mal wurde es als Jazz-Variation eingespielt oder in der Synthesizer-Bearbeitung von Isao Tomita. Im Theatersaal stellte der Künstler Wolfgang Rätz dazu eine verkleinerte Bildkomposition von Wassily Kandinsky vor, die Kandinsky 1928 in Dessau zu Mussorgskis Musik uraufführte.

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Herrlich war es, das Bauhaus so lebendig zu erleben, nicht mehr museal, sondern in Aktion. Es gab eine schräge Bauhaus-Kapelle mit selbst gebauten verrückten Instrumenten. Dazu wurde modern getanzt, in Kostümen, die (vielleicht) an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett erinnerten. Eine Entdeckung für mich war der Einblick in die Geschichte und die Arbeit des slowakischen „Bauhauses“ (1928-1939) durch eine kleine Gastausstellung aus Bratislava. Der Höhepunkt und Abschluss des Abends waren natürlich die Licht-Video-Projektionen, die sich über Teile der Fassade des Bauhauses zogen und uns in den Bann zogen.

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Alle Fotos (außer das zweite Bild von oben): Andreas Bauer.

 

 

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