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Geschichten über Bilder, die irgendwann irgendwo s o n s t entstanden sind.

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Einchecken im Hotel Mercure in Potsdam, mit einem inneren Lächeln, wegen der Anreise, der Vertrautheit der umliegenden Gebäude, Straßen und Plätze, wegen der Anreise mit dem Fahrrad. Von Babelsberg nach Potsdam ging die Reise. Einmal im Hotel Mercure in Potsdam übernachten. Von oben auf Potsdam schauen, eine ganze Nacht lang. Diesen Wunsch hatte ich schon lange und in Form eines Geburtstagsgeschenkes konnte ich ihn mir nun erfüllen. Das ehemalige Interhotel, nun Hotel Mercure, ist durch seine architektonische Präsens im Zentrum von Potsdam umstritten. Gebaut in den 1960er Jahren als ein Symbol des Fortschritts, aber auch als ein Symbol für die vermeintlich bessere Gesellschaftsordnung. Nun soll es abgerissen werden, zumindest nach Meinung einiger oder vieler Menschen in Potsdam. Die Debatte um diesen Abriss erscheint ideologisch aufgeladen. Am aktuellen städtebaulichen Wettbewerb um den Lustgarten nehmen sieben Planungsbüros teil. Alle sieben favorisieren den Abriss des Hotelbaus um die Sichtverbindung zwischen Landtagsschloss und Lustgarten herzustellen. Aber diese Verbindung gibt es nicht mehr. Auch ohne Hotel-Hochhaus bliebe der hauptsächliche städtische Raum des ehemaligen Lustgartens – Teile davon waren jahrhundertelang übrigens Exerzier- und Aufmarschplatz für die preußische Armee – reserviert für den starken Autoverkehr und auch für die Trasse der öffentlichen Verkehrsmittel. Auch ohne Hotel blieben die unansehnlichen, riesigen, betonierten, asphaltierten und gepflasterten Flächen rund um das Landtagsschloss erhalten. Die Frage des ursprünglichen Lustgartens, so wie einmal angelegt wurde, im ausgehenden 17. Jahrhundert, scheint sich den Abrissbefürwortern nicht zu stellen. Die verkehrstechnische Problematik wird so gut wie nie in diesem Zusammenhang diskutiert.

Das Hotel ist gut ausgelastet. Es brauchte einige Anläufe, ehe ich eine passende Reservierung hatte, um dann auch meinen Geburtstagsgutschein einzulösen. Ja, ich wollte einmal in diesem Hotel sein, nicht nur um der aktuellen Debatte nachzuspüren, sondern auch um ein wenig in der eigenen Vergangenheit zu wühlen. Als Kind und Jugendliche waren es der Intershop des Hotels und das Terrassencafé, die mich faszinierten. Oder mich lockte die Teilnahme am Malwettbewerb „Asphalt und Kreide“, der in den 1970er Jahren rund um das Hotel stattfand. An diese Erlebnisse und andere im Zusammenhang mit dem ehemaligen Interhotel konnte ich in Ruhe denken, beim Blick auf das abendliche Potsdam und beim üppigen Frühstücksbuffet am darauffolgenden Morgen.

 

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Blick von der Havel auf das Hotel und die Nikolaikirche.


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Da sich an den kleinen Grundrissen der Zimmer nichts ändern lässt, wurden Bad und Garderobe sehr geschickt und platzsparend eingebaut.

 

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Einige Details im Inneren des Hotelzimmers. 

 

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Blick direkt aus dem Zimmer (in der 10. Etage) in Richtung Westen, auf Teile des ehemaligen Lustgartens bzw. Exerzierplatzes. 

 

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Blick von der Notausgangstreppe in die südliche Richtung auf den Brauhausberg, die Havel, die Speicherstadt und Teile des wiederhergestellten Lustgartens mit dem Neptunbecken. Die landschaftliche Schönheit des waldreichen Havelufes überzeugte den Großen Kurfürsten, Potsdams altes kleines Renaissanceschloss zu einer prachtvollen barocken Residenz umzubauen.

 

 

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Am Freitag, den 10. April, war die Eröffnung der Ausstellung VERGESSEN – Fotografien von Joachim Liebe. Mit seinen drei Bilderserien über den Abzug der ehemaligen Sowjetarmee, die heute noch zu findenden Spuren der Kasernen und Truppenübungsplätze und die Gräber der hier verstorbenen Angehörigen der Armee, beendet Joachim Liebe sein fotografisches Langzeitprojekt. Die Ausstellung findet im Kunstraum des Waschhauses, in der Potsdamer Schiffbauergasse, statt. Am Samstag, den 18. April, bin ich von 12 bis 18 Uhr als Aufsicht in der Ausstellung im Kunstraum tätig. Der Künstler selbst wird zwar nicht anwesend sein. Aber wer möchte, kann sich die Fotografien ansehen und auch mit mir an dem Samstagnachmittag über die Bilder sprechen.

 

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Musikalische Begleitung während der Ausstellungseröffnung mit den Musikerinnen von Muzet Royal.

 

 

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Die Dreharbeiten sind abgeschlossen. Hollywood ist weg. Die Aufräumarbeiten am Filmset sind in vollem Gange – und das Wachpersonal ist wieder etwas entspannter und fragt freundlich, als wir uns den Absperrungen nähern, ob man helfen kann. Betreten darf man die Glienicker Brücke zwar noch nicht. Jedoch kann man fotografieren. Dutzende von Menschen sind damit beschäftigt aufzuräumen. Der Kunstschnee klebt am Boden und es scheint mühselig, den Asphalt davon zu befreien. Der Motor eines historischen Armeefahrzeugs wird angelassen und wird selbst zur Nebelmaschine mit seinem ‪Zweitaktmotor‬. Ein Souvenir fällt uns noch in die Hände: die Absperrplanung für das Filmset.

 

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Ich gebe es zu, ich bin berührt und verfolge so gut es geht die aktuellen Ereignisse an der Glienicker Brücke. War es am 10. November noch die Festlichkeit zum 25. Jahrestag der Wiedereröffnung der Glienicker Brücke, so war es an diesem Wochenende die völlige Absperrung der Brücke. Zwar sind es eher symbolhafte Ereignisse, trotzdem zeigen sie auf ziemlich deutliche Weise die unvorstellbare Geschichte des Kalten Krieges. Natürlich kann man heute die Geschehnisse fast nur medial verfolgen. Und trotzdem ist die Nähe der Glienicke Brücke für uns Potsdamer eben sehr real. Ich weiß noch, wie ich in den späten 1980er Jahren nach einem fröhlichen Kneipenabend voll Übermut mit meiner Freundin B. zur damals hermetisch abgeriegelten Brücke geradelt bin, so weit wie man uns ließ, um einen Blick in die andere Welt zu erhaschen. Und kaum zwei Jahre später, Anfang Juni 1989, stand ich dann auf der Seite der anderen Welt, als Abschluss einer genehmigten „Westreise“ und heulte Rotz und Wasser beim Anblick meiner doch so nahen Heimatstadt Potsdam. Die Glienicker Brücke blieb, auch von der Westseite aus, unpassierbar für mich. Dass die Mauer fallen würde und ich sofort mit meiner Freundin B. über die Glienicker Brücke gehen würde, um entlang der Havel bis zur Pfaueninsel und zurück zu marschieren, erschien mir damals unvorstellbar. Jetzt, in diesem Jahr, finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die sich mit den Geschehnissen vor 25 Jahren beschäftigen: Fotoausstellungen, Diskussionsrunden, Buchvorstellungen usw. Und ich erinnere mich dadurch an so vieles. An diesem Wochenende strahlt über Potsdam ein kaltes bläuliches Licht, auch noch nachts um ein Uhr. Die Dreharbeiten zu Steven Spielbergs Film über den berühmtesten Agentenaustausch zu Zeiten des Kalten Krieges, der im Februar 1962 stattfand, fanden am Originalschauplatz statt. Und genau aus diesem Grund war die Grenze an der Glienicker Brücke wieder „geschlossen“! Das „Filmset“ wurde stark ausgeleuchtet. Riesige Masten mit Scheinwerfern erleuchteten nicht nur die „schneebedeckte“ Brücke, sondern ließen auch den Babelsberger Park im gespenstischen Licht aufleuchten. Dazu waberte Nebel übers Wasser der Havel. Die Absperrungen waren für A. und mich unüberwindbar, aber ein paar Bilder konnten wir doch (bei eisiger Kälte) knipsen. Auch wenn ich mit dem Film nichts zu tun habe, freue ich mich doch wie verrückt, dass die Mitarbeiter des Studio Babelsberg so großen Anteil an den aktuellen Filmarbeiten haben und es in ihrer Verantwortung lag, die Brücke wieder in ein Grenzgebiet zu verwandeln. Doch die Sperrung der Brücke ist zeitlich begrenzt und die Panzersperren sind aus aus Styropor und nächste Woche wird man wieder „wie immer“ die Glienicker Brücke überqueren können und vielleicht noch einen Moment über die Geschichte des Kalten Krieges nachdenken. Und wenn man tiefer eintauchen will, dann empfehle ich das beeindruckende Buch von John le Carré, „Der Spion, der aus der Kälte kam“.

 

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Blick von der Schwanenallee auf die dramatisch beleuchtete Glienicker Brücke mit DDR-Emblem.

 

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Blick von der Berliner Straße auf die gesperrte Potsdamer Seite des Filmsets an der Glienicker Brücke.

 

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Man sieht die ausgeleuchtete Szenerie, sogar mit einem Wachturm auf der rechten Seite. Und es ist wie vor 1989: Man sieht eigentlich nicht was wirklich vor sich geht auf der Glienicker Brücke.

 

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Beeindruckend, mit welcher Kraft die Scheinwerfer das entfernte Ufer des Babelsberger Parkes ausleuchteten. Kilometerweit war dieses Licht zu sehen.

(Alle Fotos: Andreas Bauer)

 

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