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Geschichten über Bilder, die irgendwann irgendwo s o n s t entstanden sind.

1694

Blauer Himmel über der weiten Landschaft der Extremadura herrschte den ganzen Tag lang. Wir wollten von Trujillo aus in den Nationalpark Monfragüe fahren. Unterwegs erstreckten sich kilometerweit die Dehesas, die offenen Hutewälder mit uralten Steineichen, in denen Nutztiere gehalten werden: Schafe, Rinder – und die schwarzen Ibericoschweine. Die Extremadura, eine autonome Region im Südwesten Spaniens, ist eine dünn besiedelte Gegend. Die leeren Landstraßen passten gut zur Weite der Landschaft. Im Nationalpark gab es spektakuläre Ausblicke in das gebirgige Land. Aber am außergewöhnlichsten waren die dicht über unsere Köpfe hinweg schwirrenden Gänsegeier. Man hörte ihre Flügelschläge und den pfeifenden Wind, wenn sie die Luft zerteilten. Es waren Hunderte von Geiern, die sich an den langen Felswänden aufhielten. Unbeschreiblich. Wir konnten uns kaum von diesem Anblick trennen. Aber wir waren schon gespannt auf den Silvesterabend in Trujillo und so kehrten wir mit einsetzender Dämmerung zurück in die Stadt. Sternenklar, mild – und still war es bereits gegen 23 Uhr in den Gassen der Altstadt. Die Straßen und Plätze mit ihren Palästen, Klöstern und Kirchen waren menschenleer, die Jalousien der Fenster der Häuser heruntergelassen, nur die Laternen und der weihnachtliche Schmuck leuchteten. Ansonsten waren keine menschlichen Laute zu hören, keine Autos, keine Böller, kein Gegröle, Nichts! Nur die Vögel, die in großen Gruppen in den Baumkronen saßen, egal ob Palme oder immergrüner Laubbaum, zwitscherten ganz aufgeregt. Zwischendurch klapperten die Störche, die ihre Nester auf den höchsten Bauwerken der Stadt haben. Den Mittelpunkt der Stadt, die altehrwürdige Plaza de Mayor, hatten wir ganz für uns allein. Oben, von der Burg aus, genossen wir den Blick ins Land. Der Mond schien. Irgendwo bellten noch ein paar Hunde. Selbst um Mitternacht blieb es ruhig. Etwas später hörten wir am Brunnen der Plaza de Mayor Kinder singen – allerdings waren es anscheinend keine Spanier. Denn es ertönte „‪Auld Lang Syne‬“. Was für ein außergewöhnlicher letzter Tag des Jahres 2014.

 

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 Iberische Schweine suchen sich ihr Futter (Eicheln und Kräuter) in einer Dehesa.

 

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Blick von der Burg Monfragüe auf den Tajo, der als Tejo in Lissabon in den Atlantik mündet.

 

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Geier über dem Felsen Salto del Gitano im Nationalpark Monfragüe.

 

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Gänsegeier im Geäst einer Steineiche im Nationalpark Monfragüe. (Foto: Andreas Bauer)

 

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Gänsegeier im Nationalpark Monfragüe.

 

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Plaza de Mayor in Trujillo kurz vor Mitternacht am Silvesterabend.

 

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Turm der ehemaligen maurischen Festung in Trujillo kurz vor Mitternacht am Silvesterabend. (Foto: Andreas Bauer)

 

 

 

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1911

Wie gelangt man im Zeitalter des Massentourismus an so einen Ort? Durch einen Wechsel von Muskel- und Maschinenkraft. Zu sehen ist das Felsentor, das den Eingang zur Eisriesenhöhle im Tennengebirge bildet. Von diesem Punkt aus kann man bis zu den vereisten Berggipfeln der Hohen Tauern schauen.

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Mit dem Auto gehts 5 km lang über eine schmale, stark ansteigende (bis zu 21 % Steigung) Straße nach oben zum Parkplatz. An der Kasse wird das Ticket gelöst. Dann wird der nächste, ansteigende Abschnitt zu Fuß genommen. Zwischendurch gibts zur „Abkühlung“ einen Marsch durch einen Tunnel. Nach einigen Kurven ist die Seilbahn erreicht. (Oder man überwindet die nächsten 500 Höhenmeter zu Fuß.) Oben schlängelt sich der Wanderweg weiter bergan. Motivierend sind die fantastischen Ausblicke und die Vorfreude auf die ganz besondere Höhle, in deren Innerem sich wahre Eiswälle und Eiswände über Jahrtausende gebildet haben. Die Temperaturunterschiede zwischen Tal, Aufstieg, Höhle und Abstieg waren an diesem heißen Sommertag, an dem wir die Höhle besichtigten, enorm. Ich war froh, dass nicht alles nur von meiner Muskelkraft abhing, zumal in der Höhle selbst auch einige Höhenmeter auf rutschigen Treppen zu bewältigen waren.

 

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Alternative: Dieser Tunnel verkürzte den Weg nach oben. Der „normale“ Wanderweg schlängelte sich serpentinenartig außen am Berg empor. (Foto: Andreas Bauer)

 

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Die letzten Meter bis zum Höhleneingang sind die schwersten. Der Eingang liegt bei ca. 1641 Meter über dem Meeresspiegel.

 

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Impression aus der Eishöhle: Der Führer beleuchtete Teile des Eises mit Magnesiumlicht und einer kleinen Handkarbidlampe. Jeder vierte Besucher, so auch ich, half ebenfalls mit einer dieser Karbidlampen, den Weg durch die eisige Dunkelheit auszuleuchten. Den Geruch von Karbid und Magnesium hatte ich danach noch Stunden in der Nase. (Foto: Andreas Bauer)

 

 

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1931

Sonntagnachmittag, zum Abschluss unserer Sommerreise, spazierten wir durch das tschechische Marienbad. Mondän, verspielt und auch romantisch strahlten die Arkaden und Hotels im Sonnenschein. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass in diesem Kurort vor fast zweihundert Jahren auch schon Goethe weilte und sich dort noch einmal gegen Ende seines Lebens in eine junge Frau, Ulrike von Levetzow, verliebte. Und so gibt es an dieser Stelle einen Auszug aus der Marienbader Elegie, mit der Goethe seine letzte, nicht erwiderte, Liebe verarbeitete:

So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam;
Doch nie geläng's, die innre Glut zu dämpfen!
Schon rast's und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gäb's, des Körpers Qual zu stillen;
Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen,

Fehlt's am Begriff: wie sollt er sie vermissen?
Er wiederholt ihr Bild zu tausend Malen.
Das zaudert bald, bald wird es weggerissen,
Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Strahlen;
Wie könnte dies geringstem Troste frommen,
Die Ebb und Flut, das Gehen wie das Kommen?

 

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Wasserspiele im Kurpark.

 

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In der Arkade, gebaut im Jahr 1869, mittels einer gusseisernen Konstruktion.

 

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Traditionell wird das Wasser der verschiedenen Quellen aus einem speziellen Becher getrunken. 

 

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1882

Der Städter und die Städterin brauchen Ortsveränderung. Das lange Wochenende nach dem 1. Mai ist wie geschaffen dafür. Die Seen südlich von Neustrelitz sollen mit einem kleinen Hausboot (Grundfläche 2,50 x 2,00 m) „erobert“ werden. Für drei Tage werden Vorräte, Isomatten und Schlafsäcke gebunkert. Die Wettervorhersage verspricht Kälte, da ist ja dann nicht einmal ein Kühlschrank notwendig, dafür sind warme Klamotten notwendig. Die Einweisung des jungen Mannes in die Bedienung des Bootsmotors war eher oberflächlich. (Was ist eigentlich ein Choke? Stimmt, der Trabant hatte so etwas, damals, vor einem Vierteljahrhundert!)

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Auf den Seen war es windig und A. konnte das etwas unförmige Boot kaum auf Kurs halten. In den Verbindungskanälen war es dafür wildromantisch und ruhiger. Erster Höhepunkt war auch gleich die erste Schleuse. Angst bekamen wir kurz vor einer Brückendurchfahrt, als uns ein ziemlich großes, bungalowartiges Boot nur wenige Meter davor entgegenkam. 8-10 junge, betrunken grölende Männer feierten eine Party an Deck und der Bootsführer rammte erst einmal einen Brückenpfeiler. In diesem Stil schienen sie auch auf uns zuzusteuern. Gott sei Dank beherrschte A. schon sehr zügig den Rückwärtsgang und so konnten wir uns in Sicherheit bringen.

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Der erste abendliche Anlegeplatz war windgeschützt und wild romantisch. Nach belegten Broten, Rotwein und dem Trompeten einiger Kraniche, kam das Abendrot! Und all die Haubentaucher, Gänse und Blessrallen, die im angrenzenden Schilf schwammen, schnatterten uns in den Schlaf.

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Nach einer sternenklaren (und also sehr kalten) Nacht, wärmte uns ein sonniger, klarer Morgen. Ein Morgen wie ein Vorgriff auf einen folgenden Sommertag. Beim ersten Pott Kaffee und Vogelgezwitscher, studierten wir die Karte der weitläufigen mecklenburgischen Gewässer. Die verschlungenen Wege der Havel und die sich abwechselnden Seen schienen gar kein Ende zu nehmen auf unserer Fahrt. Der Himmel erstrahlte und mit ihm das Maiengrün. Schöne Orte, die wir vom Wasser aus sahen, waren eine überdachte Holzbrücke oder die Häuser von Priepert, einem kleinen Dorf, das sich am Ufer des gleichnamigen Sees erstreckte. Ein kleiner Kanal zweigte vom See ab und einige, direkt am See stehende Bootsschuppen sorgten für einen idyllisch-friedlichen Anblick.

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Der zweite abendliche Ankerplatz lag in einer bewaldeten Bucht der Havel. Die letzten Menschen, die wir am Abend sahen, waren gegen halb acht Uhr abends zwei Männer in einem Kanu. Danach war bis zum nächsten Morgen keine Menschenseele unterwegs. So viel Einsamkeit hätte ich nicht erwartet...

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